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Eskalation der Gewalt beim Stadtderby

Geschrieben von Stufi / P. Hermanns am 02.10.2011

Eskalation der Gewalt beim Stadtderby
Quelle: blauwiis.ch

Mit zwei brennenden Fackeln haben sogenannte „Fans“ des FC Zürich vermummt beim Stand von 2:1 für GC Zürich in der 77. Minute ein vorzeitiges Ende des 226. Zürcher Stadtderbys provoziert. Der Spielabbruch war für die GC-Fans mehr als ärgerlich, aber verständlich und folgerichtig. Das stark aufspielende Team von Ciriaco Sforza hatte das Derby nach Belieben dominiert. Der erstmals zu Beginn eingesetzte Flügelstürmer Mustafi (12.) und Frank Feltscher per Penalty (74.) brachten die Hoppers zweimal verdient in Führung. Verteidiger Koch gelang kurz vor der Pause nur der zwischenzeitliche Ausgleich für den schwachen Stadtrivalen. Die Blauweissen hätten bis zum Spielabbruch eigentlich viel höher führen müssen, setzte doch Rückkehrer Pavlovic einen Freistoss in der 53. Minute nur an den Pfosten.

Schlimme Szenen spielten sich bei der GC-Fankurve ab, nachdem Frank Feltscher in der 74. Minute per Handspenalty die hoch verdiente und längst überfällige Führung für die Hoppers souverän erzielt hatte. Als im GC-Fansektor gestohlene Fahnen des Gegners hochgehalten wurden, drangen etwa zwanzig bis fünfzig vermummte "Fans" des FC Zürich problemlos bis zur GC-Fankurve vor. Zwei Vermummte aus der Südkurve kommend, warfen dann gezielt zwei brennende Pyros in den GC-Block. In der Folge brach auf den Zuschauerrängen verständlicherweise Panik aus. Die Stadion-Security war nicht auf der Höhe der Geschehnisse und unterschätzte offensichtlich das Gewaltpotenzial vereinzelter Fangruppierungen.

Erst nach den zwei gefährlichen und vorsätzlichen Pyro-Attacken auf die verdutzten GC-Fans und der anschliessenden Rudelbildung der FCZ-Vermummten auf der Tartanbahn vor dem GC-Fanblock des Letzigrund-Stadion unterbrach Schiedsrichter Kever völlig zu Recht das Spiel. Der Referee schickte beide Mannschaften vom Platz, um den Sicherheitskräften die Möglichkeit zu geben, die Lage zu beruhigen. Nachdem dies offensichtlich nicht gelang, sahen sich Spieler und Trainer beider Mannschaften laut Auskunft von Kever nicht mehr in der Lage, das Spiel fortzusetzen. Die Partie wurde abgebrochen. „Die Sicherheit für die Spieler und für die Zuschauer war nicht mehr garantiert“, sagte ein sichtlich nachdenklicher Kever nach Spielschluss. Er bedauere den Entscheid sehr, aber er habe keine andere Wahl gehabt, als das sehr faire und gute Spiel abzubrechen. „Mein Herz weint, so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Auch die anderen Zuschauer im Stadion waren fassungslos über die gezielten Attacken gegen Menschenleben.

Nach dem Spiel eskalierte die Gewalt weiter. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Gummischrott gegen gewalttätige „Anhänger“ des FCZ ein. Die GC-Fans zogen sich Richtung Hardturm zurück, während die Polizei laut Augenzeugenberichten Mühe bekundete, die Situation rasch unter Kontrolle zu bekommen. Man kann es gar nicht anders schreiben. Die heutigen Vorfälle sind eine Schande für den Zürcher Fussball und den Schweizer Fussball. Das GC-Herz blutet manch einem treuen Hopper-Fan.

Der sportliche Aspekt rückt nach diesen aufs Schärfste zu verurteilenden Szenen leider in den Hintergrund. Das Team von Ciriaco Sforza war von der ersten Sekunde bereit, alles für den Sieg in diesem wichtigen Derby zu geben. Das Spielgeschehen fand in der Folge mehrheitlich in der FCZ-Hälfte statt. In der 12. Minute lancierte Feltscher seinen Teamkameraden Toko auf rechts in die Tiefe. Der äusserst aggressiv spielende Mittelfeldterrier flankte ideal zur Mitte auf Mustafi, der ohne Mühe per Kopf das 1:0 erzielte. Fünf Minuten später hätte Toko die Führung für GC ausbauen können. Im Strafraum wurde er jedoch noch im letzten Moment abgegrätscht. Nur kurz später köpfte Feltscher eine Flanke von Pavlovic knapp neben das FCZ-Gehäuse. Die Blauweissen powerten mit attraktivem Angriffsfussball über die Flügel und liessen die Gäste erst gar nicht ins Spiel kommen.

In der 32. Minute verschätzte sich FCZ-Verteidiger Koch nach einem langen Ball. Der agile und hellwache Mustafi konnte in der Folge alleine auf den FCZ-Keeper laufen. Sein strammer Abschluss traf jedoch genau Leoni. Fünf Minuten später dribbelte sich der für den verletzten Toko eingewechselte Brahimi die halbe Zürcher Defensive aus. Der frech aufspielende ASL-Debütant blieb aber am letzten Verteidiger hängen. Dann kam aber bereits die nächste Chance für die Hoppers. Zuerst klärte der starke Leoni gegen den straffen Schuss von Mustafi. Den ebenfalls satten Nachschuss konnte Feltscher nicht im Tor unterbringen, Leoni klärte in höchster Not mit den Füssen zum Corner. Die Elf von Sforza hätte zu diesem Zeitpunkt mit zwei Toren Unterschied führen müssen.

In der 43. Minute kam der FCZ entgegen des Spielverlaufs zum mehr als glücklichen Ausgleichstreffer. Eine Flanke von Koch senkte sich hinter GC-Keeper Bürki ins Tor. Zuerst wurde der Treffer wegen Abseists von Chermiti nicht gegeben. Der Assistent hob seine Fahne, korrigierte seinen Entscheid jedoch. Das Tor wurde wohl zu Recht anerkannt. Denn der FCZ-Stürmer griff nicht aktiv ins Geschehen ein. Dennoch gab der Entscheid auf den Rängen heftigst zu reden.

Auch in der zweiten Halbzeit powerten die Hoppers weiter und waren nach wie vor die Spiel bestimmende Mannschaft. Der FCZ stand weiterhin extrem tief und versuchte vorwiegend weitere Tore zu verhindern, als selber welche schiessen zu wollen. Linksverteidiger Pavlovic setzte in der 53. Minute einen Freistoss aus rund 20 Metern an den linken Pfosten. Grosses Glück für den FCZ! In der 66. Minute lancierte der starke Debütant Brahimi seinen gleichaltrigen Kollegen Freuler ideal. Völlig freistehend vor Leoni brachte der junge Hopper es aber fertig, den Ball am Tor vorbei zu spielen. Das hätte die erneute Führung sein müssen!

Eine Viertelstunde vor Schluss trat Pavlovic erneut einem Freistoss. Diesmal wurde der Ball von Nikci in der Mauer mit der Hand abgewehrt. Feltscher schnappte sich den Ball und verwertete den fälligen Penalty sicher zum 2:1. Nur drei Minuten später geschah das Unfassbare auf den Rängen.

Es ist noch nicht klar, wie das 226. Stadtzürcher Derby gewertet wird. Die Möglichkeiten reichen von einer Forfait-Niederlage für eines der beiden Teams über eine Spielwiederholung bis hin zu einer Fortsetzung an einem anderen Datum. Die Verantwortung für die Sicherheit im Stadion liegt beim Stadionmanagement. Der Grasshopper Club Zürich ist wie der FCZ auch lediglich Mieter des Stadions Letzigrund.

Alles andere als ein 3:0 Forfait-Sieg für GC wäre eine Enttäuschung und nicht nachvollziehbar. Die Swiss Football League wird in den kommenden Tagen darüber abschliessend befinden müssen.

Grasshopper Club Zürich - FCZ Spielabbruch nach 77 Minuten beim Stand von 2:1
Letzigrund - SR Kever

Tore: 12. Mustafi 1:0, 42. Philippe Koch 1:1, 74. Feltscher (Handspenalty) 2:1

Grasshopper Club Zürich: Bürki; Menezes, Smiljanic, Vallori, Pavlovic; Lang, Toko (27. Brahimi); Freuler, Zuber, Feltscher; Mustafi (61. Adili)

FCZ: Leoni; Philippe Koch, Raphael Koch, Teixeira, Rodriguez; Schönbächler (63. Buff), Aegerter, Zouaghi (77. Chikhaoui), Nikci; Mehmedi, Chermiti

Bemerkungen: Grasshopper Club Zürich ohne Abrashi, Cabanas, Calla, De Ridder, Hajrovic, La Rocca und Simijonovic (alle verletzt). FCZ ohne Alphonse, Margairaz (beide gesperrt), Beda, Djuric, Kukuruzovic (alle verletzt), Brecher und Gajic (beide nicht im Aufgebot). 52. Freistoss von Pavlovic an den Pfosten.

Verwarnungen: 19. Lang (Foul), 25. Mustafi (Foul), 39. Zouaghi (Foul), 72. Teixeira (Foul)

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