"Die Zukunft liegt bei uns selbst"
Quelle: www.gc-zone.ch
Zehn Tage in Spaniens Süden. Was viele Menschen mit Erholung und Entspannung verbinden, bedeutete für das GC-Team in der vergangenen Woche harte Arbeit. „Es war eine intensive Zeit, die uns sportlich weitergebracht hat und in der wir als Team noch näher zusammen gerückt sind“, berichtet Ciriaco Sforza. An diesem Montag flogen die Hoppers zurück nach Zürich, nehmen am Dienstag auf dem Campus wieder das reguläre Training auf, bevor sie am Freitag zum Testspiel gegen den Hamburger Kultverein FC St.-Pauli reisen. Wir sprachen mit Ciriaco Sforza kurz nach der Rückkehr des Teams aus Marbella.
Wie sind deine Eindrücke vom Trainingslager?
Ciriaco Sforza: Wir hatten optimale Trainingsbedingungen in Spanien. Die Arbeit hat großen Spaß gemacht. Was neben dem sportlichen Aspekt wichtig war: Alle Spieler haben großartig mitgezogen und sind als Team noch näher zusammen gerückt. Aus sportlicher Sicht war für mich vor allem das Testspiel gegen Fortuna Düsseldorf (1:1) aufschlussreich. 60 Minuten lang hatte Düsseldorf kaum eine Torchance. Unsere Mannschaft hat ihre Aufgabe gegen den Tabellenführer der zweiten Bundesliga glänzend gelöst.
Im Verlauf der Woche wurde in deiner facebook-Gruppe eifrig, aber auch sehr kritisch diskutiert. Eine Frage, die sich stellte: Wieso wird aus Basel mit Xhaka ein Talent ausgeliehen, während auf dieser Position mit Menezes, Hossmann und Bauer schon ein Konkurrenzkampf herrscht?
Ciriaco Sforza: Zunächst einmal muss man wissen: Der Vertrag mit Paulo Menezes läuft im Sommer aus. Beide Seiten, also der Spieler und der Verein, haben bisher auf eine Verlängerung verzichtet, weil weder Paulo noch wir mit der Hinrunde hundertprozentig zufrieden waren. Das heisst nicht, dass wir ihn abgeben werden. Aber wir werden seine Leistungen in der Rückrunde beobachten und dann eine Entscheidung treffen. Paulo weiss, dass unsere Erwartungen an ihn höher sind als das, was er uns zuletzt gezeigt hat. Er selbst war auch nicht zufrieden. Der Ball liegt aber bei ihm.
Und was ist mit Bauer und Hossmann?
Ciriaco Sforza: Moritz Bauer fühlt sich auf der rechten Seite nicht wohl. Das ist wichtig für zu wissen, denn es macht dann keinen Sinn, ihn dort einzusetzen. Es gibt ja auch noch andere Optionen. Gianluca Hossmann wird in Kürze an der Hüfte operiert und eine Zeit lang ausfallen. Deshalb hatten wir auf dieser Position Handlungsbedarf. Mit Xhaka haben wir einen U21-Nationalspieler geholt, der im Trainingslager einen guten Eindruck hinterlassen hat. Wir haben mit dem FC Basel einen Vertrag geschlossen, der eine Option enthält. Deshalb gehen wir bei ihm kein großes Risiko ein. Wir können in Ruhe beobachten, wie er sich entwickelt.
Gibt es Neues in der Personalie Affolter? Der Spieler hat zu verstehen gegeben, dass er weiterhin an einem Wechsel zu GC sehr interessiert ist.
Ciriaco Sforza: Als Trainer kann ich nur sagen: Ich würde mich freuen, wenn ein so dynamischer Verteidiger wie er zu uns stossen würde. Alle Beteiligten kennen meine Meinung dazu. Die Verhandlungen führen aber andere, ich bin für die sportlichen Belange zuständig.
Im Sturm hat GC derzeit wenig Alternativen. Ihr hattet die Suche nach einem weiteren Stürmer aufgenommen - bislang wurde niemand verpflichtet. Wie sieht es in dieser Sache aus?
Ciriaco Sforza: Wir werden definitiv keinen weiteren Stürmer verpflichten. Es gab dazu Überlegungen, es gab auch Gespräche. Aber es hat nichts so gepasst, dass wir überzeugt waren. Ich sehe – anders, als das manche von außen beurteilen – auch keinen dringenden Handlungsbedarf im Sturm. Wir haben einige Spieler, die immer wieder den Abschluss suchen, zum Beispiel Zuber, Hajrovic, de Ridder oder Feltscher. Wir haben darüber hinaus in den eigenen Reihen Spieler, die wir weiter aus den Jugendmannschaften aufbauen werden. Man kann sich natürlich immer Spieler vorstellen, die gut in eine Mannschaft passen würden. Aber GC hat derzeit andere Voraussetzungen als etwa ein FC Basel oder ein FC Luzern. Wenn man das ändern will – und das wollen wir – können und müssen wir unsere verabredete Strategie durchziehen. Wir verbrennen kein Geld nur um kurzfristiger Ergebnisse wegen. Die Perspektive ist, dass GC mittelfristig, dann aber auf Dauer wieder oben mitspielen kann.
Geld kosten aber in erster Linie fertige Spieler. Die Märkte in anderen Kontinenten sind aber voll von jungen Talenten, die wenig Geld kosten. Deshalb gibt es professionelle Scouts, die dort ihre Augen haben.
Ciriaco Sforza: Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, in erster Linie eigene Talente auszubilden. In zweiter Linie schauen wir uns in der Schweiz um. Ich behaupte: Wir kennen nicht nur den Schweizer Markt in- und auswendig, sondern fast jeden einzelnen Spieler, der für uns interessant sein könnte. Wir brauchen sicher keine Scouts in Afrika oder Asien. Das ist nicht unser Anspruch. Ich verstehe, dass dies für Außenstehende nicht leicht nachvollziehbar ist. Diejenigen, die sich bei GC im Finanzbereich besser auskennen als ich, könnten vorrechnen, dass sich eine solche Investition in der derzeitigen Situation gar nicht rechnen könnte. Wir haben uns gemeinsam darauf verständigt, einen solchen Weg nicht zu gehen. Ich trage diesen Weg hundertprozentig mit. Deshalb wird auch jeder Versuch scheitern, zwischen den beteiligten Personen bei GC ein Blatt Papier zu schieben. Wir gehen einen Weg, der Widerstand provoziert, aber diesen Weg gehen wir aus Überzeugung.
Sprechen wir über Johann Vogel. Ist er von seiner Fitness her in der Lage, in der ASL noch einmal zu bestehen?
Ciriaco Sforza: Johann hat seit zwei Jahren nicht mehr gespielt. Das ist Fakt. Wie ich ihn aber erlebe, wie er sich in den Dienst der Mannschaft stellt, wie er Verantwortung übernimmt: Das ist einfach großartig. Vor ihm ziehe ich meinen Hut. Es ist gar keine Frage, dass er eine herausragende Rolle bei uns spielen wird.
Was ist mit Davide Calla? Wie ist sein derzeitiger Stand nach seiner langen Leidenszeit?
Ciriaco Sforza: Davide kann im Moment noch gar nicht so belastbar sein, als dass er ein ganzes Spiel durchhalten würde. Wir machen ihm keinerlei Druck. Er ist für uns ein ganz wichtiger Spieler, der sich Schritt für Schritt wieder an sein normales Leistungsvermögen heran arbeiten soll. Wir werden aber nichts unternehmen, um seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen.
Abschließend ein anderes Thema Wie beurteilst du die Diskussionen, die zwischen den Fans in derzeit deiner facebook-Gruppe geführt werden?
Ciriaco Sforza: Grundsätzlich kann ich sagen: Die Fragen, die unsere Fans stellen, sind in der Regel berechtigt. Ich bekomme zwar nicht alles dort mit, aber ich logge mich immer mal wieder ein. Es gibt viele bedenkenswerte Beiträge dort, manche sind mir allerdings zu negativ. Vielleicht müssen wir noch deutlicher als bisher darstellen, dass wir den Weg, den wir verabredet haben, wirklich aus Überzeugung gehen. GC ist ein Verein mit einer einzigartig erfolgreichen Geschichte. Diese Geschichte hat aber einen Bruch, sonst stünden wir heute anders da. Jetzt geht es darum, unseren Club wieder zukunftsfähig zu machen. Daran arbeiten wir auf allen Ebenen. Klar ist aber auch: Entscheidungen zur Strategie oder einzelnen Transfers diskutieren wir nicht öffentlich, sondern intern. Danach treffen wir unsere Entscheidungen. Würden wir anders handeln, hätten wir unseren Job verfehlt.
Wie siehst du die Perspektive von GC in der kommenden Rückrunde?
Ciriaco Sforza: Ich bin sicher, dass viele unserer jungen Spieler in der Rückrunde den nächsten Schritt ihrer Entwicklung machen werden. Das Trainingslager in Spanien hat mir gezeigt, dass bei uns ein Team heranwächst, das sich behaupten wird. Wir werden unsere junge Mannschaft fordern und fördern. Dabei wird es Rückschläge geben wie überall. Aber am Ende wird mehr dabei heraus kommen als mit Investitionen, die wir uns weder leisten können noch langfristig helfen. Die Zukunft liegt bei uns selbst.
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